4. Junger Literaturpreis – der erste Platz!

Laurin Lenschow

Der erste Platz geht an Laurin Lenschow aus Kronshagen für den Text „Wir sanieren auch Ihr Gewissen.“ „In seiner Satire geht es um das Aufzeigen der ökonomischen Ausbeutung menschlicher Gefühle, sie kreist um die Frage der moralischen Zulässigkeit eines auf Wachstum und Gewinnmaximierung basierten wirtschaftlichen Handelns.“ Laurin ist der Beweis dafür, dass Beharrlichkeit ein hohes Gut ist, denn er hat häufiger teilgenommen, durchaus mit Erfolg. In diesem Jahr ist ihm nun der große Wurf gelungen, herzlichen Glückwunsch!

Alle Zitate über die Texte entstammen den Laudationen, sie werden dem Autor und den Autorinnen selbstverständlich ebenfalls übermittelt. Das Preisgeld von insgesamt 500€ wurde gestiftet von Immobilen Schütt, wir überweisen die Beträge. Wir hoffen, dass wir das Einlesen für das Literaturtelefon ebenfalls hinbekommen und melden uns dementsprechend erneut.

Eine aufregende Lesung auf der Bühne des Literaturhauses, eine feierliche Preisverleihung, ein fröhliches Fest im Familien- und Freundeskreis muss leider entfallen, vielleicht kann zumindest eine Ehrung nachgeholt werden, wenn die nächste Freundeskreisveranstaltung, das Frühstück im Frühling, am 7. Juni stattfinden darf.

Wir sanieren

Unabhängige Buchhändler/innen in Kiel und Umgebung

Unterstützen Sie mit uns diese Geschäftsinhaber/innen, denn wir wollen sie behalten! Und beachten Sie unsere persönlichen Leseempfehlungen. Schreiben Sie gern selbst eine!!!

Buchhandlung Almut Schmidt    Harder,Hauke        Zum Dänischen Wohld 23            24159    Kiel                         393300                  info@buchhandlung-friedrichsort.de

(Buchhandlung Henning Kohrt    Dietzel,Sabine    Bürgermeister-Drews-Straße 16        24119    Kronshagen       589615             buchhandlungkorth@t-online.de)     noch nicht offiziell zugestimmt

Buchhandlung im Wohld              Schulz-Jander,Stephanie  Altenholzer Straße 5      24161    Altenholz                30034885             schulz-jander@buchimwohld.de

Buchhandlung Jetzek     Kaps,Gabriele             Schönberger Str. 5-11                                    24148    Kiel                        729622                          info@buchhandlung-jetzek.de

Buchhandlung Stöberecke          Horst-Düchtling ,Elke                       Blücherpl. 20     24105    Kiel                        804809                                                  keine e-mail

Bücherstube Flintbek                    Goullon,Jutta                                    Rosenberg 22    24220    Flintbek               04347/ 3945                      info@lese-meer.de

Erichsen & Nierenheim Erichsen,Wolfgang                         Dänische Str. 8                                 24103    Kiel                         983050                    we@bookservice.de

Evangelische Bücherstube          Peters-Leber,Axel           Dänische Str. 17                                24103    Kiel         5197250                bestellservice@buecherstube-kiel.de

Heikendorfer Bücherinsel           Mangelsdorf,Maike              Hafenstr. 22                       24226    Heikendorf         243009                info@heikendorferbuecherinsel.de

Liesegang GmbH              Vohs,Benjamin                         Holstenstraße 106-108                  24103    Kiel                         9066320               b.vohs@liesegang.sh

(Litera – Weinkultur und schöne Bücher  Engels,Andrea  Holtenauer Str. 55                           24105    Kiel                         8950039               kontakt@litera-kiel.de) noch nicht bestätigt

Preetzer Bücherstube   Peters-Leber,A.                      Kirchenstr. 10                             24211 Preetz                     04342/5197250                 info@preetzer-buecherstube.de

Wiker Buchhandlung     Lalowski,Meike                                Knorrstr. 22                                       24106    Kiel                         330589                  wikbuch@lalowski.de

Zapata Buchladen           Mücke,Harald                                   Wilhelmplatz 6                                 24116    Kiel                         93639                    agimos@aol.com

Ein weitere Empfehlung von Nils Aulike: Über die Himmelsscheibe von Nebra

Eine Reise in die Welt vor 3600 Jahren 

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? Ein unbedingt lesenswerter Klassiker der archäologischen Sachbücher ist zweifelsohne C.W. Cerams Götter, Gräber und Gelehrte. Dieser „Roman der Archäologie“ nimmt die neugierigen Leser mit auf eine Reise – gewissermaßen aus erster Hand – zu allen großen archäologischen Entdeckungen der Vergangenheit, als wären sie dabei: die Entdeckung Pompejis, Heinrich Schliemann und Troja, Howard Carter und Tut-anch-amun, Champollion und die Entzifferung der Hieroglyphen, Ninive, Babylon, Montezuma, die Mayas und ihr Kalender…, die Liste ist so lang wie aufregend. Das Buch ist ein Streifzug durch die großen untergegangenen Staatswesen Südeuropas, Nordafrikas, Mesopotamiens, Mittel- und Südamerikas. Ein Buch, das die öffentliche Wahrnehmung der Archäologie geprägt hat wie kaum ein zweites seit seinem Erscheinen im Jahre 1949. Und in dem die Archäologie Mitteleuropas gänzlich fehlt.

Mit Harald Mellers und Kai Michels Rekonstruktion eines der bedeutendsten archäologischen Funde der vergangenen Jahrzehnte, der sogenannten Himmelsscheibe von Nebra, liegt ein umfassender Untersuchungsbericht und Deutungsvorschlag eines einmaligen Artefaktes vor, der überzeugend die Tatsache untermauert, dass den schillernden eingangs erwähnten Staatswesen mindestens ein klangvoller Name hinzugefügt werden muss: das Reich der aus den Schnurkeramiker- und Glockenbecherkulturen hervorgegangen Aunjetitz-Kultur.

Diese Kultur mit dem etwas sperrigen Namen steht auf einer Stufe mit den Kulturen, die, so die Autoren, den Fokus von Götter, Gräber und Gelehrte bilden, nur seien ihre Spuren deutlich weniger offenkundig. Grunderkenntnis der Untersuchungen der Himmelscheibe von Nebra ist, dass in den vermeintlich so hochkulturspurenlosen Mitteleuropa – zumindest in diesem einen Falle – von ähnlichen und gleichentwickelten Staats-Strukturen wie bei den eingangs erwähnten ausgegangen werden muss.

Im Mittelpunkt des Grabungs- und Forschungsberichtes steht die aus den archäologischen Befunden herauszulesende Soziologie von Herrschaft und die bisher für undenkbar gehaltene Möglichkeit eines über Jahrhunderte stabilen Staatenwesens in der mittleren Bronzezeit mit Zentrum im Saale-Unstrut-Gebiet, westlich von Leipzig. Die Himmelscheibe von Nebra und ihr Reich präsentieren sich vor einer wahrhaft europäischen Kulisse von Migration, Handel und Wissenstransfer, die unserer heutigen Zeit nur in wenigem nachsteht. Somit ist das Buch nicht nur Archäologie und Kulturgeschichte, sondern auch ein hintergründig wirkender Chronist für die Manifestation und den Fall von Gesellschaften.

Die anfängliche mediale Aufmerksamkeit, die der Himmelsscheibe von Nebra zukam, war mehr dem Raubgräberkrimi ihrer Entdeckung 1999 und ihrer Rettung für das Kulturerbe der Welt 2002 als ihrer, damals noch ausstehenden, Interpretation geschuldet. Harald Meller, Direktor des Landesmuseums für Vorgeschichte in Halle an der Saale und des Landesamtes für Archäologie Sachsen-Anhalt, und der Wissenschaftsjournalist Kai Michel verlagern mit diesem Buch das Spektakuläre der Entdeckung auf die nicht minder spektakulären Ergebnisse der wissenschaftlichen Entschlüsselung und ihre logisch-plausiblen Ableitungen. Ein großartiges Kapitel in einem weitaus umfassenderen „Roman der Archäologie“, als ihn der verdienstvolle C. W. Ceram seiner Zeit hätte schreiben können.

Nils Aulike

Das Buch (als Paperback): Meller, Harald; Kai Michel, Die Himmelsscheibe von Nebra. Der Schlüssel zu einer untergegangenen Kultur im Herzen Europas, Berlin: Ullstein Verlag 2020; ISBN 978-3-548-06116-0; 16,-€

Regina Gehrts empfiehlt zwei Kinderbücher

Regina Gehrts leitet mit Regina Duschinski und im Wechsel mit Mücke Voss und zwei anderen, die nicht im Freundeskreis sind, unsere Kindergartenvormittage, also wahrlich eine prüfende Leserin:

Zwei Kinderbücher für ab 3 und ab 4 Jahren

Eines meiner derzeitigen Lieblings-Kinderbücher ist “ Oh, oh, Octopus“ von Elle van Lieshout & Erik van Os, Mies van Hout

Es ist eine wunderbare Geschichte von einem kleinen Octopus, der sehr glücklich und zufrieden ist, bis eines Tages ein großer Fischschwanz in seiner Höhle im Riff steckt….. Er befragt alle seine Freunde, bekommt viele Ratschläge und trifft am Ende eine mutige Entscheidung. Es geht in dem Buch um Freundschaft, Mut und Hilfe in der Not.

Das Buch ist wunderschön illustriert und sehr liebevoll geschrieben. Ein großes Vergnügen zum Anschauen und Vorlesen. Es ist geeignet für Kinder ab 3 Jahren

 

 

Ein anderes Lieblingsbuch von mir ist „Der Gute-Nacht-Kuss, der danebenging“ von David Melling

Der König wirft seinem kleinen Sohn einen Gute-Nacht-Kuss zu, der aber sein Ziel verfehlt und aus dem Fenster fliegt. Weil der kleine Prinz so traurig ist, schickt er seinen tapferen Ritter hinterher, um den Kuss wieder einzufangen. Der Ritter und sein Pferd erleben ungewöhnliche Abenteuer, bevor sie den Kuss endlich im Schmetterlingsnetz haben.

Eine tolle Geschichte, lustig und spannend geschrieben, wunderbar illustriert und am Ende doch ein richtig schönes Buch zur Guten Nacht.

Für Kinder ab 4 Jahren

 

 

Rezension 2

Der Sohn des Morgensterns

 

Am 25. Juni 1876 nahm eine bemerkenswerte Karriere ihr rühmliches oder, je nach Blickwinkel, unrühmliches Ende. Die „Schlacht“ am Little Big Horn, in der sich die 7. US-Kavallerie unter dem Kommando des legendären 37-jährigen Brigadegenerals George Armstrong Custer einer bis dahin ungesehenen Ansammlung indigener nordamerikanischer Ureinwohner unter der Führung der nicht minder legendären Crazy Horse, Gall und Sitting Bull gegenüber sah, ist ein Monument US-amerikanischer Geschichte. Sie steht, wie das Star-Spangled-Banner, welches die Astronauten der ersten Mondlandung auf dem Erdtrabanten hinterließen, für immer auf dem staubigen Hügel der Geschichte der Kolonialisierung Nordamerikas.

Das kurze Kampfgeschehen am Little Big Horn River im Süden des heutigen Bundesstaates Montana stellte einen Wendepunkt in der Geschichte der Politik der Vereinigten Staaten dar. Insbesondere nahm es unheilvollen Einfluss auf die bis dato ohnehin schon von nicht gehaltenen Versprechen, gebrochenen Verträgen, Verachtung und Gewalttätigkeiten geprägten „Indianerpolitik“ der damaligen US-Regierung, welche in dem „Roten Mann“ stets nur die Last des Weißen Mannes erkannte, die einer ungebremsten Expansion und Ausbeutung von Ressourcen im Wege stand. Die Niederlage und nahezu vollständige Vernichtung der 7. Kavallerie und ihres charismatischen wie überheblichen Kommandeurs setzen einen Vernichtungszug gegen die indigene Bevölkerung in Gang, der knapp anderthalb Jahrzehnte später am Fluss Wounded Knee Creek in South Dakota endete. Jenes Gemetzel an erschöpften depravierten alten Männern, Frauen und Kindern an einem bitterkalten Wintertag wurde, die Frage darf lauten: Ironie des Schicksals oder wohl gewählte Inszenierung, von der neuformierten 7. US-Kavallerie begangen. Die Folgen dieses Endes indigener Selbstbestimmtheit sind noch heute als andauernder Prozess im Alltagsleben der Vereinigten Staaten zu beobachten.

Evan S. Connells minutiöse Rekonstruktion der Schlacht am Little Big Horn sowie, vor allem, seine gleichermaßen detaillierte Darstellung der Vorgeschichte (samt Vorstellung aller involvierten Hauptpersonen) ist eine kulturhistorische Untersuchung von Rang. Das Buch ist die bis dato wohl umfassendste Studie der Schlacht am Little Big Horn und liefert neben seiner Faktenfülle bedachte Interpretationen und kluge Wertungen, die dem Leser viel Werkzeug an die Hand geben, das US-amerikanische Selbstverständnis und auch die US-amerikanische (Außen-)Politik heutiger Tage zu entschlüsseln.

Was also könnte uns die Lesefreude noch verleiden? Das Buch liegt bedauerlicher Weise nicht in deutscher Übersetzung vor. Es sei somit jedoch nicht nur denjenigen ans Herz gelegt, deren Englisch noch über das einstige Schulenglisch hinausgeht. Zumal es hinreichend gute Wörterbücher gibt, die lohnenden knapp 420 Seiten in Angriff zu nehmen. Die umfangreiche Bibliographie am Ende des Buches bietet zudem weiterführende Literatur, dient aber auch als Quellenangabe, da das Buch selbst ohne den Lesefluss störende Fußnoten auskommt. Verweise auf Quellen finden sich in aller Regel im laufenden Text, Fototafeln geben bildlichen Eindruck.

Besprochen: Evan S. Connell, Son of the Morning Star, New York 1984.

Rezensent:  Nils Aulike